Mindset: Kreativität
Warum uns unter der Dusche die besten Ideen kommen
von Elita Wiegand
Es ist mir schon oft passiert, dass ich unter der Dusche stehe, an nichts Bestimmes denke und plötzlich ist sie da: Die Idee für ein Projekt, der geniale Titel für eine Aktion, manchmal sogar die Antwort auf eine Frage, die mich schon länger bewegt. Wenn ich mit Menschen aus meinem Netzwerk spreche, höre ich, dass die meisten ähnliche Erfahrungen machen. Die besten Einfälle kommen nicht im Meeting oder am Schreibtisch, sondern dann, wenn man eigentlich abgeschaltet hat.

Aha-Momente unter der Dusche
Es gibt dafür eine handfeste wissenschaftliche Erklärung. Der Neurowissenschaftler John Kounios, Co-Autor des Buches „The Eureka Factor: Aha Moments, Creative Insight, and the Brain“ hat diese Momente über Jahrzehnte erforscht. Im Podcast „The Science of Creativity“ beschreibt er, was unter der Dusche passiert: Das Rauschen des Wassers übertönt alles andere, die Temperatur gleicht der eigenen Körperwärme, die Augen sind oft geschlossen. Ein Zustand geringer Zielorientierung, in dem der Kopf frei wird für Assoziationen, die sich sonst nicht auftauchen. „Man gleitet ganz natürlich in diesen Zustand, in dem man sich nicht um die Außenwelt kümmert, sondern sich auf die eigenen Gedanken konzentriert“, sagt Kounios. Kein Wunder, dass wir dabei jedes Zeitgefühl verlieren.
Und diese Momente bleiben offenbar auch länger im Gedächtnis: Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass wir uns an Lösungen, die aus einem echten Aha-Moment entstanden sind, später besser erinnern.
Die gute Nachricht: Man muss dafür nicht zwangsläufig nass werden. Ein Spaziergang mit dem Hund, eine Stunde im Garten oder eine Wanderung in der Natur versetzt uns in denselben konzentrierten Zustand.
Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dahinter. Nicht die Dusche macht uns kreativ, sondern der Mut, ab und zu nichts zu tun.

